Feminine Energie in Unternehmungen

Aktualisiert: 20. Jan.



Seit über 10 Jahren sind über 50% der Studierenden an Schweizer Universitäten Frauen. Leider spiegelt sich diese Zahl in den Führungspositionen nicht wider. In den untersten Managementstufen sind lediglich 40% der Stellen von Frauen besetzt. Je höher die Managementstufe, desto kleiner der Prozentanteil. Auf der Top-Managementebene ist es dann nur noch ein Frauenanteil von 17%.


Daraus kann man schliessen, dass viele Frauen die Ambition, in den Unternehmungen hierarchisch aufzusteigen, nicht weiterverfolgen. Doch weshalb ist das so?


Das Thema und die Gründe dafür sind heiss diskutiert. Immer wieder wird das Thema in Politik und Gesellschaft aufgegriffen. Die Bemühungen dem entgegenzuwirken sind gross: Man diskutiert über Frauenquoten und über besseres Kinderbetreuungsangebote.


Aus meiner Sicht wird ein wichtiger Punkt kaum oder nie berücksichtigt und dabei die Problematik zu wenig an der Wurzel gepackt. Wir sollten endlich beginnen, die weiblichen und männlichen Qualitäten gleichzustellen. Aber was heisst das?



Inhalt

Balance zwischen weiblicher und männlicher Energie

Emanzipation: Der Kampf

Warum viele Frauen auf der Karriereleiter irgendwann den Exit-Knopf drücken?

Back to the Future oder zurück zur weiblichen Natur

Weibliche Energie in Unternehmungen


Balance zwischen weiblicher und männlicher Energie


Die Balance zwischen der maskulinen und femininen Energie ist enorm wichtig für die Evolution. Ohne diese Balance bleiben wir stehen. Wenn wir die weibliche Energie zu extrem leben, verkümmern wir und wenn die männliche Energie zu dominant ist, fahren wir uns selbst gegen die Wand.

Wenn wir unser aktuelles gesellschaftliches Treiben ansehen, erkennen wir schnell, dass unsere Welt stark im Ungleichgewicht ist. Die Werte des Yang-Prinzips (männliche Energie) werden in Organisationen, Schulen und mittlerweile sogar im Privatleben hochgehalten. Alles soll immer noch schneller, noch besser und noch effizienter werden. Alles wird bis ins kleinste Detail optimiert. Doch leider bringt uns das an unsere Grenzen und viele von uns erkranken an Burn-Outs, werden von Depressionen heimgesucht oder tragen andere körperliche oder psychische Schäden davon. Gelassenheit, Achtsamkeit, Ruhe, Innenschau, Intuition, Sinnlichkeit, Meditation und Kreativität gehören zu den Qualitäten der weiblichen Energie. Es sind Qualitäten, die die Yang-Qualitäten erst richtig stark machen. Doch genau diese Yin-Qualitäten haben aktuell fast keinen Raum im Alltag. Dabei tun sie speziell uns Frauen so gut. Sie sind uns Frauen so nah bzw. viel mehr entspringen sie aus uns. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass weibliche und männliche Qualitäten in allen Menschen essenziell sind. Yin und Yang sollten sich in jedem Menschen, egal welchen Geschlechtes, die Waage halten. Tendenziell entspringen die maskulinen Qualitäten eher den Männern auf natürliche Art und Weise und die weiblichen Qualitäten den Frauen.

Falls du noch tiefer in dieses Thema einsteigen möchtest, lies dir gerne den Blogartikel “Balance zwischen weiblicher und männlicher Energie” durch.




Emanzipation: Der Kampf


Die weiblichen Qualitäten sind in den letzten Jahrhunderten immer mehr verloren gegangen.

Der Frauenbewegung, welche im 18. Jahrhundert nach der Französischen Revolution startete, haben wir es zwar zu verdanken, dass wir Frauen heute zumindest auf Papier die gleichen Rechte wie die Männer haben. Speziell in den 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts konnte sehr viel erreicht und verändert werden. Jedoch konnten diese Erfolge nur mit männlicher Energie erreicht werden. Die Frauenbewegung musste dafür fordernd, laut, zielstrebig und aggressiv sein. Mit weiblichen Qualitäten wie Vertrauen und Gelassenheit hätten die Frauen damals wohl keine Gleichberechtigung erlangen können.


Überspitzt gesagt, versuchten sie bessere Männer zu sein.

Wir Frauen der aktuellen Generation sind geprägt von diesen Frauen, die damals in den Kampf zogen. Plötzlich taten sich neue Türen auf und die Frauen konnten Dinge tun, die bis dahin nur Männern erlaubt war. Doch sie hatten keine weiblichen Vorbilder, also taten sie es einfach so wie es die Männer taten.

Überspitzt gesagt, versuchten sie bessere Männer zu sein. Und wie es so ist, mussten sie sich zuerst bei den Männern beweisen. Dabei hatten sie keine andere Wahl als ihre urweiblichen Prinzipien zu verdrängen. Sie spalteten ihre Emotionen ab, weil sie sonst als hysterisch galten und passten sich dem bestehenden beruflichen Umfeld an. Besonders wenn sie Karriere machen wollten, konnten sie das nur durch den Einsatz ihrer männlichen & durch das Verdrängen ihrer weiblichen Energie erreichen.



Warum viele Frauen auf der Karriereleiter irgendwann den Exit-Knopf drücken?


Und so haben sich Frauen in den letzten Jahrzehnten immer mehr eine einseitige männliche Art zu leben angewöhnt. Weibliche Qualitäten, die Frauen (& Männer) nähren und stärken, und auch ihrer Gesundheit gut tun würden, hatten und haben noch keinen Platz. Viel eher sind die heutigen Frauen von der männlichen Art zu leben geprägt, nämlich der Dominanz des Denkens, des rationalen Verstandes. Sie sind immer im Tun, arbeiten To Do-Listen ab und verfolgen Ziele des Wachstums. Und versteht mich nicht falsch: Das sind alles wunderbare und wichtige Eigenschaften, doch wenn sie einseitig gelebt werden, sind sie ungesund.


Das Hingeben, aber auch Loslassen findet allzu selten statt, und das Träumen und Vertrauen erlaubt sich schon kaum mehr jemand. Denn diese Qualitäten wurden und werden abgewertet.

Das Geniessen, Ausatmen, Entspannen, Geschehen lassen hat aktuell nur zu wenig oder keinen Platz. Das Hingeben, aber auch Loslassen findet allzu selten statt, und das Träumen und Vertrauen erlaubt sich schon kaum mehr jemand. Denn diese Qualitäten wurden und werden abgewertet. Sie gingen zwischen den jährlichen Wachstumszielen und Forecasts unter.

Da dies jedoch urweibliche Qualitäten sind, sehnt sich jede Frau (und eigentlich auch jeder Mann) danach. Die männliche dominierte Art zu leben empfindet sie immer mehr als sinnlos, stressig und hektisch. Frauen wollen sich nicht immer beweisen müssen. Aber genauso funktioniert die Businesswelt: Je höher sie die Karriereleiter hinaufsteigen, je mehr finden sie sich in dieser einseitigen männlichen Art zu leben wieder und verlassen daher den Karrierepfad. Sie entscheiden sich für andere Karriereformen: Familie und/oder einfache Stellen, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. Im besten Fall machen sie sich selbstständig, um nach dem eigenen Flow zu funktionieren und um den Erwartungen der männlich dominierten Geschäftswelt nicht mehr gerecht werden zu müssen.


Back to the future oder zurück zur weiblichen Natur


Was wäre, wenn wir die weibliche Natur wieder wertschätzen würden und in unseren Organisationen und Schulen integrieren würden? Was wäre, wenn wir als gesamte Gesellschaft die weiblichen Qualitäten wieder annehmen und würdigen würden? Viele Frauen, vor allem in den westlichen Ländern, haben nämlich eine unnatürliche und abwertende Beziehung zu ihren weiblichen Qualitäten entwickelt.

Was ist, wenn wir uns erlauben, unsere Natur wieder zu leben und den weiblichen Qualitäten wieder Raum geben? Wenn wir uns Zeit nehmen, nach innen zu lauschen, unser zyklisches Wesen zu akzeptieren und zu leben. Den eigenen Gefühlen wieder zuzuhören und unserer Intuition wieder lernen zu vertrauen? Was, wenn wir das Herzdenken wieder aktivieren und Entspannung schenken? Uns wieder vollkommen hingeben und plötzlich wieder vertrauen?


Weibliche Energie in Unternehmungen


Ich bin mir sicher, dass viele Frauen tief in sich spüren, dass es schön und gesund für sie wäre, könnten sie ihre weiblichen Qualitäten mehr Raum geben. Doch kurz nachdem sie dieses schöne Gefühl wahrnehmen, taucht eine laute Stimme auf, die sagt, dass das als Arbeitnehmerin gar nicht möglich ist. Man(n) muss ja schliesslich Leistung erbringen. In den Unternehmungen haben diese Qualitäten einfach keinen Platz.


Aber natürlich sollen und müssen genau diese Qualitäten (für ein gesundes Wachstum) Platz haben. Alles beginnt in unseren Köpfen. Nichts ausser der Natur ist einfach da, ohne dass sich eine Person darüber Gedanken macht und den Raum für die Bewusstseinserweiterung öffnet. So hat auch die Erfindung der Glühbirne in Edisons Kopf begonnen und war nicht einfach da.


Lasst uns heute damit anfangen, diese Qualitäten in unseren Alltag mitzunehmen und wo möglich einzubauen . Dabei müssen wir noch nicht alles bis zum Ziel durchdenken und planen (männliche Energie). Lasst uns mit der Yin-Yang-Unternehmung starten. Also das Unternehmen, wo weibliche und männliche Energie sich die Waage halten. Denn wir kämen viel schneller voran, wenn wir einfach den Prozess mit dem ersten kleinstmöglichen Schritt eröffnen würden, den wir machen können.


Lasst uns mit der Yin-Yang-Unternehmung starten.

Was sind also die kleinstmöglichen Schritte, die Unternehmen tun können, um mehr ins Gleichgewicht des YIN-YANG-Prinzips zu kommen und somit eine Atmosphäre zu schaffen, in denen auch Frauen Karriere machen wollen?


Hardskills versus Softskills

Das Teamdenken hat sich in den letzten Jahren zumindest theoretisch durchgesetzt. In der Praxis sieht es aber anders aus. Vor allem wenn man die Karriereleiter hinaufsteigen möchte. Hardskills (maskuline Energie) stehen nach wie vor über den Softskills (feminine Energie). Dabei sind sie gerade bei Führungspositionen entscheidend für den Erfolg der Unternehmungen. Doch um überhaupt an die Führungsposition zu kommen, muss man sich in vielen Firmen zuerst beweisen bzw. die Konkurrenz ausstechen. Dieser Kampf liegt nicht in der Natur der weiblichen Energie und fällt daher vielen Frauen schwer.


Prozessorientiertes Arbeiten

Flexibler mit Deadlines umgehen. Projekte als Prozesse anschauen, die den Raum bekommen sollten, den sie brauchen, bis sie gereift sind und gelauncht werden können.

In vielen Unternehmungen werden Deadlines ganz ihrem Namen gerecht gehandhabt, so nach dem Motto: “Einhalten oder sterben”.


Weniger Struktur und Hierarchie

Weniger Struktur und Hierarchie gibt Raum für Kreativität und eigenständiges Denken. Auch da hat sich in den letzten Jahrzehnten viel getan. Nach wie vor wird eine kreative Tätigkeit in der Gesellschaft aber nicht gleich gewertet wie eine analytische Tätigkeit. Das sieht man vor allem in den Lohnunterschieden.


Emotionen akzeptieren

Der Spruch “dein Privatleben gehört nicht ins Büro” ist nach wie vor weit verbreitet. Viele Arbeitnehmer zeigen ihre Gefühle bei der Arbeit nicht. Doch Emotionen sind doch genau das, was uns menschlich macht. Wenn wir unsere Emotionen nicht hätten, würden wir uns von Robotern nicht unterscheiden. Unternehmen könnten durch Weiterbildungen "Emotional Leadership Tools" einführen, die den Mitarbeitern Raum geben, Emotionen zu zeigen.


Vertrauen

Im Bezug auf Vertrauen hat sich in den letzten Jahrzehnten schon einiges verändert. Doch leider ist die Kontrolle (männliche Energie) bei vielen Vorgesetzten noch sehr verbreitet. Sie haben Mühe, aus der Kontrolle ins Vertrauen zu gehen und somit eine schöne menschliche Atmosphäre zu nähren.


Weiblicher Zyklus

Unternehmungen könnten sich mit dem weiblichen Zyklus auseinandersetzen und Möglichkeiten schaffen, wie Frauen ihrem Zyklus mehr Raum geben könnten. Der hormonelle Zyklus der Frauen kann man nämlich sehr positiv nutzen. In der ersten Zyklushälfte dominieren wegen den Hormonen und dem Energielevel Fähigkeiten wie Schlagfertigkeit, Sprachgewandtheit, logisches Denken, Risikobereitschaft und Kreativität. In der zweiten Zyklushälfte hingegen werden Probleme besser aufgedeckt. Diese Zeit eignet sich besonders für Kontroll- und Routineaufgaben.

Auch gibt es bereits Firmen, die sogenannte “Moon Days” einführen. Frauen, die Menstruationsbeschwerden haben, dürfen sich diese Tage freinehmen. Die Annabelle hat letztes Jahr dazu einen Artikel geschrieben: Moon Days: Diese Arbeitgeberin erlaubt Menstruations-Ferien.

Dieses Thema ist aber so umfassend, dass ich zeitnah einen separaten Blogpost dazu schreiben werde.


Mehr Spielraum, Freude und Leichtigkeit

Verspieltheit ist ebenfalls eine weibliche Qualität, die in den Unternehmungen oft keinen Platz findet. Durch gemeinsame Freizeitaktivitäten können sich Mitarbeiter auch über die Freude miteinander verbinden. Dies wiederum schafft Leichtigkeit im Arbeitsalltag.



Das Wichtigste ist, dass wir Frauen mit gutem Beispiel vorangehen, dass wir unsere urweiblichen Qualitäten wieder aktivieren und sie leben. Wir haben uns lange angepasst und an den Männern orientiert. Doch jetzt ist die Zeit, wo wir unsere eigenen Wege gehen können, die Zeit, in der wir aus uns heraus kreieren. Lasst uns alle zusammen (Männer und Frauen) ein Arbeitsumfeld erschaffen, in dem die weiblichen Qualitäten gleichwertig wie die männlichen betrachtet werden und sie sich gegenseitig befruchten.


Du möchtest in deiner Organisation mehr Raum für weibliche Qualitäten schaffen? Kontaktiere mich gerne unter info@roxana-roelli.ch.




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